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Erste Gebetszeit

Gottes Gegenwart

Zu Beginn meiner Gebetszeit rufe ich mir für ein paar Minuten ins Bewusstsein, dass ich ihn Gottes Gegenwart bin und dass er liebend auf mich blickt, dann bete ich: "Öffne meine Lippen, Herr, und mein Mund wird dein Lob verkünden".

Mein Anliegen

Ich kann Gott ein besonderes Anliegen vortragen, vielleicht eine Gnade, die, wie ich meine, mir helfen kann, nach dem Evangelium zu leben. Ich kann eine Minute in mich gehen und Gott inständig um Hilfe in diesem Anliegen bitten.

Ein Bild

Wenn es mir hilft, lass ich meinen Blick auf einem Bild, einer Kerze oder einer Blume ruhen.

Gebet

Ich könnte an einen lieben Menschen denken, und den Psalm noch einmal für diesen Menschen beten.

Ich lese den Psalm bedächtig von Anfang bis Ende. Manche tun das gerne laut. Nach dem ersten Lesen kann ich ihn ein zweites Mal lesen und halte inne bei Worten und Bildern, die mir nahe gehen oder mir bedeutungsvoll erscheinen. Ich wiederhole sie mehrmals und nehme sie so innerlich auf. Ich kann den ganzen Psalm so oft, wie es mir gut scheint, auf diese Weise lesen. Ich kann mir auch einen Menschen vorstellen, der mir wichtig ist, oder der krank ist und vielleicht deshalb selbst nicht beten kann, und ich bete stellvertretend den Psalm für ihn. Wenn ich mag, kann ich mir auch die Anmerkungen und die Gebetsimpulse in den Bemerkungen zum Hintergrund dieser Webseite anschauen. Vielleicht helfen sie mir, einen Einstieg ins Gebet zu finden.

Psalm 51:1-14

Bitte um Vergebung und Neuschaffung

 

Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld,

tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!

Wasch meine Schuld von mir ab

und mach mich rein von meiner Sünde!

 

Denn ich erkenne meine bösen Taten,

meine Sünde steht mir immer vor Augen.

Gegen dich allein habe ich gesündigt,

ich habe getan, was dir missfällt.

So behältst du recht mit deinem Urteil,

rein stehst du da als Richter.

Denn ich bin in Schuld geboren;

in Sünde hat mich meine Mutter empfangen.

 

Lauterer Sinn im Verborgenen gefällt dir,

im Geheimen lehrst du mich Weisheit.

Psalm 51:1-14

Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein;

wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee.

Sättige mich mit Entzücken und Freude!

Jubeln sollen die Glieder, die du zerschlagen hast.

Verbirg dein Gesicht vor meinen Sünden, tilge all meine Frevel!

 

Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz

und gib mir einen neuen, beständigen Geist!

Verwirf mich nicht von deinem Angesicht

und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir!

Mach mich wieder froh mit deinem Heil,

mit einem willigen Geist rüste mich aus!

Hintergrund

Dieser Psalm kann uns helfen, unsere eigenen Schwächen und Sünden zu verstehen und uns Gottes unerschütterlicher, unerschöpflicher Liebe bewusst zu werden.

Man nimmt an, dass der Psalm von König David verfasst wurde, nachdem er sich gegen seinen Freund versündigt hatte. David hatte dafür gesorgt, dass der Freund ums Leben kam, weil er selber seine Frau Batseba begehrte. Der Psalm gehört zu den sieben Bußpsalmen. David bekennt darin seine Schuld und bittet um Vergebung. Er kann uns helfen, eigene Schuld in Worte zu fassen, und inne zu werden, was Gottes unendliche Liebe für uns bedeutet. Das Hebräische hat zwei verschiedene Worte für "Sünde". Das eine stellt Sünde als etwas dar, das verdreht und missgestaltet ist, wie etwa ein Baum, der sich nicht richtig entwickeln konnte und jetzt nicht gerade wachsen und groß werden kann. Das andere stellt Sünde dar als ein Verpassen des Ziels, wie etwa jemand, der auf Reisen ist und nicht dort ankommt, wo er hin wollte.

Gebetsimpulse

  • Was soll das bedeuten, wenn ich bete, "Gegen dich allein habe ich gesündigt"? Sind es nicht Menschen, gegen die ich gesündigt habe? Ist Gott nur ein Zuschauer oder hat er etwas damit zu tun, wenn ich meine Mitmenschen schlecht behandle? Habe ich jemanden verletzt? Habe ich auch Gott dabei verletzt?
  • Der Psalm spricht von Freude. Kann ich Freude empfinden, wo ich doch weiß, dass ich meine Schwächen habe? Kommt Freude in mir auf, wenn ich mir vorstelle, wie Gott mich eigentlich haben möchte?
  • Der Psalm bittet, "Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz". Glaube ich, dass das möglich ist? Oder denke ich, dass sich nicht ändern lässt, wie ich nun einmal geworden bin?

Gebetsimpulse

  • Ich bitte für mich um Vergebung und denke daran, dass meine Mitmenschen nicht anders sind als ich: wir brauchen alle Gottes Hilfe. Sehe ich dann meine Mitmenschen in einem anderen Licht?
  • Wenn ich die Hoffnung habe, dass Gott mir ein neues Herz schenkt, erstreckt sich diese Hoffnung auf andere? Kann ich dabei Gottes Gehilfe sein?
  • Die Psalmen sind jüdische Gebete. Wenn ich an die Gräuel des Holocaust denke, gelingt es mir dann, stellvertretend für Urheber dieser Verbrechen, diesen Psalm zu beten? Ich kann es versuchen und die Gefühle, die dabei in mir entstehen, vor Gott tragen.

Rückblick auf die Gebetszeit

• Wie ging es mir in dieser Gebetszeit?

• Was hat mich bewegt? Was fand ich anregend? Was war eher schwierig?

• Gibt es etwas, zu dem ich noch einmal zurückkehren möchte?

• Welchen Ausdruck oder Gedanken könnte ich mir merken?

• Was möchte ich mir jetzt notieren, um am Ende des Besinnungstags noch einmal darauf zurück zu kommen?

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